Der neue Ost-West-Radweg in London: Vorher-Nachher-Fotos

Dieser Beitrag stammt vom Londoner Fahrrad-Blog „Hackney Cyclist“ und zeigt einen der neuen Radwege in London. Diese neuen Radwege sind nicht perfekt: manchmal zu schmal und mit ein paar bekloppten Kreuzungen. Aber sie sind allgemein ein großer Fortschritt für London.

Redaktionelle Mitarbeit: Daniel Pöhler

Fast genau vor einem Jahr machte ich einen Spaziergang von der Tower Hill zu den Houses of Parliament.

Transport for London (TfL, die Londoner Verkehrsbehörde) hatte hier gerade angefangen, einen neuen Radweg zu bauen. Ich konnte sehen, wie die Bauarbeiten vorankamen und erhielt eine Vorstellung davon, wie breit die Radwege sein würden.

Ich nutzte die Gelegenheit, um den Rest der Straße zu fotografieren, wo die Arbeiten noch nicht begonnen hatten, um zu dokumentieren, wie es vorher aussah.

Weil es ein Sonntagnachmittag war, war der größte Teil der Strecke ziemlich ruhig…

1 Tower Hill, London, vor und nach der Installation des Radwegs

…also zeigen die Vorher-Fotos nicht die üblichen Straßenverhältnisse, mit denen man in Spitzenzeiten an einem Wochentag rechnen muss…

2 Lower Thames Street, London, vor und nach der Installation des Radwegs

…mit Ausnahme einer Stelle, wo die Fahrbahn beschränkt war aufgrund der Bauarbeiten für den Radweg. Dort stauten sich die Autos.

4 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

5 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Außerdem fuhren relativ wenige Lastwagen. Unter der Woche wären auf den Vorher-Bildern viel mehr Lkw zu sehen gewesen.

6 Lower Thames Street, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Bevor der Radweg gebaut wurde, habe ich auf dieser Straße nie Kinder Rad fahren sehen, weder auf ihrem eigenen Rad noch als Mitfahrer auf dem Fahrrad der Eltern, abgesehen von „freecycle“-Veranstaltungen (ein autofreier Spaßtag, einmal im Jahr) oder der „Space for Cycling“ (Raum für Radverkehr) Demonstration, 2014 von der London Cycling Campaign organisiert.

7 Tower Hill, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Letztes Jahr habe ich dann doch ein paar Radler mit Kindern gesehen. Sie nutzten aber alle den Bürgersteig, keiner die Fahrbahn.

8 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Seit der Radweg fertig ist, habe ich an jedem Wochenende, an dem ich dort war, Kinder mit Fahrrädern gesehen, entweder mit Erwachsenen…

9 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

10 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

…allein…

11 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

12 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

…oder Freunde, die zusammen radeln.

13 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

14 Trinity Square, London, vor und nach der Installation des Radwegs

15 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Ich selbst bin den gesamten Radweg mit meinem Vierjährigen gefahren, wie viele andere Eltern es jetzt auch machen:

„Die Blackfriars-Unterführung war schrecklich bis vor ein paar Monaten – jetzt lasse ich meine Kinder hier Rad fahren!“

„Wie kann man nur gegen Infrastruktur sein, die so etwas ermöglicht?“

All dies wäre nicht möglich gewesen, bevor der Radweg gebaut wurde. Die wenige „Fahrradinfrastruktur“, die es hier vorher gab, bestand aus engen, aufgemalten „Schutzstreifen“, die an mehreren Stellen im Nichts endeten. Für bestimmte Gruppen von Menschen, darunter Senioren, war es vor einem Jahr undenkbar, die „Fahrradinfrastruktur“ auf dieser Straße zu nutzen.

16 Lower Thames Street, London, vor und nach der Installation des Radwegs

17 Byward Street, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Es amüsiert mich, wenn jemand behauptet, dass nur Tempo 30 (20 mph) auf Hauptstraßen den Radverkehr um einen signifikanten Anzahl erhöhen kann. Würde diese Straße einen höheren Fahrrad-Anteil haben, wenn man die 30-mph-Schilder durch 20-mph-Schilder ersetzen würde, statt einen Radweg zu bauen?

18 Lower Thames Street, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Dank des Radwegs müssen Radfahrer sich nicht mehr durch den Kraftverkehr quetschen.

19 Lower Thames Street, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Radler müssen nicht mehr hochkonzentriert sein und „ihre Gedanken immer beisammen haben“. (Der ehemalige Bürgermeister von London, Boris Johnson, hatte 2011 behauptet, dass eine von Londons gefährlichsten Kreuzungen absolut sicher für Radler wäre, wenn man nur seine „Gedanken beisammen hat“.)

20 Blackfriars Bridge, London, vor und nach der Installation des Radwegs

21 Embankment Station, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Ein entspannendes und sicheres Umfeld für den Radverkehr, in dem Menschen sicher nebeneinander fahren und sich dabei unterhalten können.

22 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

23 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Die Situation für Fußgänger hat sich wegen des Radwegs ebenfalls verbessert, weil es keine schmalen gemeinsamen Rad- und Fußwege mehr gibt…

24 Blackfriars Bridge - Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

…und auch keine schlechten Radwege mehr, die die Gehwege halbieren.

25 Lower Thames Street, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Außerdem ist der Autoverkehr jetzt weiter entfernt von den Gehwegen, was bedeutet, dass es weniger Verkehrslärm gibt für die Menschen, die entlang des Ufers der Themse spaziergehen.

26 Victoria Embankment, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Der Gehweg hat mehr Raum erhalten, zusammen mit neuen Fußgängerüberwegen und verbesserter Aufenthaltsqualität.

27 Blackfriars, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Der Radweg kann natürlich auch von körperbehinderten Menschen mit Elektromobil verwendet werden (ein alltäglicher Anblick in den Niederlanden).

„Monowheel-Einrad, Elektromobil und Fahrrad auf diesem kleinen Abschnitt des Ost-West-Radwegs letzte Nacht.“

Diese neue Radinfrastruktur wurde nicht gebaut, weil die Behörden sichere Radverkehrsanlagen oder mehr Radverkehr im Zentrum der Hauptstadt schaffen wollten.

Die Menschen mussten dafür kämpfen.

Noch im Jahr 2011 hatte TfL für Blackfriars eine autobahnähnliche Kreuzung vorgeschlagen, bestehend aus mehreren Fahrspuren mit erhöhter Geschwindigkeitsbegrenzung. Fußgängerüberwege sollten abgebaut und ein paar schmale „Schutzstreifen“ aufgetragen werden.

Nach diesen Plänen hätten Radfahrer zum Rechtsabbiegen zwei Fahrspuren mit schnell fahrendem Autoverkehr überqueren müssen (zur Erinnerung: Linksverkehr in England, in Deutschland wäre das Linksabbiegen betroffen).

Die Pläne waren völlig inakzeptabel für eine Kreuzung mit einer so hohen Unfallrate im Herzen der Stadt.

Viele Menschen protestierten, es gab eine Bürgermeisterwahl mit Wahlversprechen für bessere Radinfrastruktur von allen Kandidaten, und am Ende wurden die neuen Radwege gebaut und einiges andere verbessert.

28 Blackfriars, London, vor und nach der Installation des Radwegs

Fünf Jahre nach den Blackfriars-Protesten muss man zum Abbiegen nicht über zwei Fahrspuren manövrieren. Jeder und jede, egal welches Alter oder körperliche Fähigkeit, kann nun mit dem Fahrrad diese Kreuzung nutzen.

 

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7 Kommentare

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7 Antworten zu “Der neue Ost-West-Radweg in London: Vorher-Nachher-Fotos

  1. ines

    Sooo schön! Mehr davon, bitte, in vielen, vielen Städten!

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  2. Pingback: Linktipps der Woche #24 2016 | hannovercyclechic

  3. Coole Sache. Wo fängt er an, wo,hört er auf?

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    • Leider ist es nur ein paar Straßen – die Meisten von London bleibt schrecklich für Radfahren!

      Die Hauptstrecke der Ost-West Radweg ist von Parliament bis Tower Hill (~4km). Die verlaufen weiter West auf neu Radwege, und weiter Ost auf ein alter Radwege (von der 90er, vielleicht?).

      Die Nord-Süd Radweg ist von Elephant & Castle bis Farringdon Station (aber bin ich nicht sicher, wie weit die Straßenbau schon geht – bis mindestens ein bißchen nord von Ludgate Circus).

      Die Ost-West und Nord-Süd Radwege kreuzen sich am norden Ende von Blackfriars Bridge. Einer der ehemalige autobähnliche Auffahrten ist jetzt nur für Fahrräder, und verbindet die zwei Radwege.

      All das heißt, dass einige Reisen per Rad in London, jetzt ganz ohne Zusammenspiel mit Kfz-verkehr sind!

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